Die Lebensflussarbeit



Die Lebensflussarbeit ist eine Technik aus der systemischen Therapie, die erlebnisorientiert die Möglichkeit bietet, den eigenen „Quellen“ wertschätzend zu begegnen und den eigenen Lebens (-fluss) -lauf als Ressource und Kraft wahrzunehmen und zu integrieren.

Es handelt sich dabei um eine Form des Aufstellens im Einzelsetting. Sie ist nicht zu verwechseln mit der „Brettaufstellung“.

Das eigene Leben als Fluss zu begreifen fällt nicht schwer.
Die flusstypischen Begrifflichkeiten passen in der Symbolik gut zu einander:

„Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ - ein französischer Film, in dessen Geschichte es um bei der Geburt vertauschte Kinder geht, deren Leben einen anderen Verlauf nimmt, als es „vorbestimmt“ war.

"Man steigt nur einmal in den gleichen Fluss" meint die ständige Veränderung des Lebensflusses wie auch das Verrinnen der Zeit.

Ein Mensch, der sich aktiv und bewusst gegen Konventionen richtet „schwimmt gegen den Strom“.

Im beruflichen Alltag bei gutem Gelingen, aber auch in der Meditation oder anderen transzendentalen Techniken gelangen Menschen in einen „Flow“. „Flow“ bezeichnet das Gefühl scheinbar mühelos fließender Bewegung, das man erleben kann, wenn man ganz in einer schöpferischen Handlung aufgeht. 


Unter bestimmten Bedingungen werden Handeln und Bewusstsein eins.

Fließendes Wasser ist auch Symbol des Unbewussten. Fließen bedeutet aber auch, sich treiben zu lassen, nicht alles kontrollieren zu wollen.

Hermann Hesse‘s „Siddahrtha“ ist eine sehr schöne literarische Gestaltung des Themas:

[Beim Blick auf den Fluss]
"Das Bild des Vaters, sein eigenes Bild, das Bild des Sohnes flossen ineinander [...] und flossen ineinander über, wurden alle zum Fluss, strebten alle als Fluss dem Ziele zu, sehnlich, begehrend, leidend, und des Flusses Stimme klang voll Sehnsucht, voll von brennendem Weh, voll von unstillbarem Verlangen. Zum Ziele strebte der Fluss, Siddhartha sah ihn eilen, den Fluss, der aus ihm und den seinen und aus allen Menschen bestand, die er je gesehen hatte, alle die Wellen und Wasser eilten, leidend, Zielen zu, vielen Zielen, dem Wasserfall, dem See, der Stromschnelle, dem Meere, und alle Ziele wurden erreicht, und jedem folgte ein neues, und aus dem Wasser ward Dampf und stieg in den Himmel, ward Regen und stürzte aus dem Himmel herab, ward Quelle, ward Bach, ward Fluss, strebte aufs Neue, floss aufs Neue. (Hesse, "Siddhartha" S. 108)

So lernte Siddhartha vom Fluss. Er begriff ihn als Ganzes und zu ihm selbst gehörig.

Er verstand, dass der Fluss zur gleichen Zeit an Quelle und Mündung ist und dennoch in ständiger Bewegung...

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